05317 KI als Compliance-Assistent: der hybride Weg zur Rechtssicherheit
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Die zunehmende Regelungsdichte energierechtlicher Vorgaben – vom GEG (GModG 2026) über EnEfG, EEG, EnWG bis hin zu EnFG, BECV und SPK-FRL – stellt Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. KI kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten, indem sie große Mengen an Rechtsquellen analysiert, relevante Inhalte extrahiert und konkrete betriebliche Pflichten vorschlägt. Der zentrale Erfolgsfaktor ist jedoch ein hybrider Ansatz, bei dem KI und menschliche Expertise optimal zusammenwirken.
KI übernimmt dabei die routinemäßigen und datenintensiven Schritte der Pflichtenableitung: Sie erkennt Tatbestandsmerkmale, fragt aktiv die notwendigen Fakten ab und führt einfache Subsumtionen durch, etwa wenn gesetzliche Schwellenwerte eindeutig definiert sind (> 30 Jahre, > 250 Mitarbeitende, > 30 kWp, > 12 kW usw.). Dadurch entsteht eine schnelle, strukturierte und nachvollziehbare Voranalyse, die den Compliance-Prozess erheblich beschleunigt.
Der Mensch bleibt jedoch unverzichtbar. Juristische Subsumtion im engeren Sinne – also Entscheidungen bei unbestimmten Rechtsbegriffen, normative Abwägungen und teleologische Korrekturen – kann KI nicht leisten. Sie kann vergleichen, priorisieren und strukturieren, aber keine normative Entscheidung treffen. Die finale Bewertung und Verantwortung liegen daher immer beim Unternehmen und seinen Verantwortlichen. Arbeitshilfen: von: |
1 Einleitung – Warum KI die Compliance-Arbeit verändert
Unternehmen stehen heute unter starkem regulatorischem Druck. Gesetzgeber auf kommunaler, Länder-, Bundes- und EU-Ebene erweitern fortlaufend bestehende Regelwerke und veröffentlichen in unregelmäßigen Abständen komplett neue Vorschriften. Gleichzeitig wächst die Datenmenge, die für eine wirksame Compliance-Steuerung relevant ist. Für viele Organisationen stößt die klassische, manuelle Compliance-Arbeit damit an ihre Grenzen.
Hier wird die strategische Bedeutung von künstlicher Intelligenz deutlich. KI-gestützte Systeme können große Mengen an Rechtsquellen, Normen, Richtlinien und Unternehmensdaten in einer Geschwindigkeit analysieren, die für Menschen nicht erreichbar ist. Sie erkennen Muster, extrahieren relevante Inhalte und unterstützen Compliance-Teams dabei, schneller und fundierter zu arbeiten.
Nicht ob, sondern wie
Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob KI in der Compliance-Arbeit eingesetzt werden sollte, sondern wie sie sinnvoll integriert werden kann. Denn ihr Potenzial entfaltet sich erst dann vollständig, wenn KI in bestehende Prozesse eingebettet wird und die menschliche Fachkompetenz gezielt ergänzt. Dieser Artikel zeigt, wie KI beim Aufbau und bei der Pflege eines Rechtskatasters und insbesondere bei der Ermittlung konkreter betrieblicher Pflichten unterstützt, und wie Unternehmen sicherstellen können, dass die Ergebnisse der KI zuverlässig bleiben. Denn so leistungsfähig moderne Modelle auch sind – sie können Fehler machen. Entscheidend ist daher, wie Unternehmen diese Fehler erkennen und minimieren.
Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob KI in der Compliance-Arbeit eingesetzt werden sollte, sondern wie sie sinnvoll integriert werden kann. Denn ihr Potenzial entfaltet sich erst dann vollständig, wenn KI in bestehende Prozesse eingebettet wird und die menschliche Fachkompetenz gezielt ergänzt. Dieser Artikel zeigt, wie KI beim Aufbau und bei der Pflege eines Rechtskatasters und insbesondere bei der Ermittlung konkreter betrieblicher Pflichten unterstützt, und wie Unternehmen sicherstellen können, dass die Ergebnisse der KI zuverlässig bleiben. Denn so leistungsfähig moderne Modelle auch sind – sie können Fehler machen. Entscheidend ist daher, wie Unternehmen diese Fehler erkennen und minimieren.
KI ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das Compliance-Arbeit effizienter, präziser und zukunftsfähiger macht. Die folgenden Kapitel zeigen, wie das in der Praxis gelingen kann.
1.1 Vom Autor benutzte KI-Modelle
Die im Folgenden benutzten Modelle sind in ihren Grundversionen kostenlos und anonym nutzbar. Die Server liegen in den USA, und die eingegebenen Daten werden in der Regel für Trainingszwecke benutzt (Ausnahme MS Copilot und Google NotebookLM privat, hier werden nur Metadaten verwendet). Daher ist die Eingabe sensibler, zuordenbarer Firmendaten ein „No-Go”. Einige der Modelle lassen sich jedoch in ihren kostenpflichtigen Business-Versionen DSGVO-konform nutzen (s. Tab. 1).
1.1.1 Perplexity (Tech-Startup aus San Francisco)
Perplexity ist ein KI-Assistent, der präzise, aktuelle und gut begründete Antworten liefert. Er nutzt dazu aktuelle Informationen aus dem Internet, verknüpft diese mit Kontextwissen und stellt die Antworten klar und strukturiert dar.
Der Autor nutzt Perplexity in einer App auf dem Handy und über die Webseite im Browser. Kurze Fragen können ohne Anmeldung direkt im Browser erledigt werden. Nach einiger Zeit wird man jedoch gebeten, sich anzumelden (z. B. über eine E-Mail-Adresse). Der große Vorteil der Anmeldung liegt darin, dass die Gesprächsverläufe („Threads”) gespeichert und später wieder aufgerufen werden können.
Bei Perplexity lassen sich auch einzelne Dateien hochladen, etwa um aus einer PDF-Datei oder einer Dokumentvorlage automatisch eine Zusammenfassung zu erzeugen. Perplexity liefert umfangreiche Quellenangaben mit Verlinkungen zu den verwendeten Webseiten. Leider lassen sich diese Verlinkungen seit einigen Monaten nicht mehr problemlos in Word-Dokumente oder E-Mails kopieren, da sie nicht als klickbare Links übernommen werden.
1.1.2 MS-Copilot
Microsoft Copilot ist eine KI-gestützte Wissens- und Arbeitsassistenz, die dabei unterstützt, komplexe Informationen schnell zu erfassen und fundiertere Entscheidungen zu treffen. Sie kombiniert Recherche, Analyse und kreatives Schreiben in einem System, das Klarheit schafft und die Arbeit deutlich effizienter macht.
Der Autor nutzt Copilot über die Seitenleiste (Sidebar) von Firefox. Die Antworten sind gut verständlich, sauber strukturiert und lassen sich problemlos in Word einfügen. Tabellen können so formatiert werden, dass sie per Copy & Paste in Excel übernommen werden können. Auf Wunsch liefert Copilot zusätzlich Quellenangaben, wobei sich der Autor die Quellen typischerweise als Text mit aktivem Link ausgeben lässt, um sie direkt in Word verwenden zu können.
1.1.3 Google-KI-Modus (Gemini)
Hinter diesem Link verbirgt sich der KI-Modus der Google-Suche, basierend auf dem Gemini-Modell. Gemini ist ein fortschrittliches KI-Sprachmodell, das dazu gedacht ist, komplexe Informationen zu strukturieren, präzise Analysen zu erstellen und als interaktive Schnittstelle zwischen Mensch und Daten zu agieren. Der Fokus liegt auf der effizienten Aufbereitung von Fachwissen sowie auf der Unterstützung bei kreativen und analytischen Problemlösungsprozessen. Mit der Kombination aus Sprachverständnis und logischer Informationsverarbeitung hilft diese KI-Funktion dabei, komplexe Zusammenhänge verständlich und zielgruppengerecht zu kommunizieren.
Der Autor nutzt dazu zunächst die klassische Google-Suche und schaltet bei Bedarf in den KI-Modus um (über den entsprechenden Reiter oberhalb der Suchergebnisse). Die KI-Ergebnisse sind in der Regel sehr hochwertig und mit Quellen untermauert.
1.1.4 Google NotebookLM (Gemini) (Anmeldung mit Google-Konto)
NotebookLM ist ein kostenloses KI-Tool von Google, das als persönlicher, hochintelligenter Rechercheassistent fungiert. Im Gegensatz zu herkömmlichen KI-Chatbots arbeitet es primär mit den eigenen hochgeladenen Daten, wodurch die Genauigkeit der Antworten steigt und „Fantasie-Antworten” (Halluzinationen) deutlich reduziert werden.
Das Motto lautet „alles verstehen” – und der Umfang der kostenlos zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel ist beeindruckend. Nach dem Hochladen der Quellen können neben typischen Fragen (Prompts) auch Zusammenfassungen, Berichte, Mindmaps, PowerPoint-Präsentationen und sogar Podcasts erzeugt werden, in denen zwei Personen den jeweiligen Sachverhalt verständlich darlegen.
1.1.5 ChatGPT
ChatGPT, das KI-gestützte Sprachmodell von OpenAI, ist darauf spezialisiert, vielschichtige Informationen verständlich aufzubereiten und bei unterschiedlichsten Aufgaben zu unterstützen. Zu seinen Stärken gehören präzise Recherche, kreatives Schreiben und die Fähigkeit, schnell auf individuelle Fragen einzugehen. Dabei passt es sich flexibel an den gewünschten Stil und Kontext an.



